STEINHIMMEL

STEINHIMMEL

5. November 2017 / 18 Uhr

Zürich Grossmünster

Uraufführung: STEINHIMMEL Raumsinfonie von Daniel Glaus

Vokalensemble Zürich

Ensemble Phoenix

Cantemus Heiliggeist

Klangmäntel : Manon Criblez

Leitung: Peter Siegwart

Vorverkauf http://www.bernermuensterstiftung.ch/aktuell/aktuell.php

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Du trittst ein in uralte Mauern.
Spiel der einfallenden Lichtbahnen, Gerüche, dumpfe Farben, Ahnungen von Geschichte, Gefühle von Geborgensein und Fremdheit. Die Mauern der uralten Gebäude bergen in sich alle hier einmal ertönten Klänge, alle hier je gesprochenen, gelesenen und diskutierten Worte.
Stimmen, welche in all den Zeiten immer wieder wahrgenommen werden wollten, wurden wie abgelagerte Gesteinssedimente zu einer Morphologie der Stille.
Wehe, die Wände, das Gewölbe, die Böden würden bersten und all das je Aufgenommene ausfluten lassen!
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1517 und 2017
Die reformatorischen Gedanken, die alten häretischen Stimmen der Mystikerinnen und Mystiker aufnehmend und weiter entwickelnd, führten zu einer politischen und innerkirchlichen Umwälzung von ungeahntem Mass und beein ussten später Au lärung und Säkulari- sierung.
Heute stehen globalwirtscha liche Interessen Tendenzen natio­ naler Isolierung und radikalisierendem, religiösem Fundamentalismus gegenüber. Dazwischen stehen Menschen. Sie werden gelyncht, gefoltert, entmündigt, vertrieben oder, irregeführt von falschen Hoffnungen auf ein besseres Leben, zur Flucht verführt und gezwungen. Man stelle sich vor: ein überfülltes Boot auf dem nächtlichen stürmischen Mittelmeer. Hunderte von Menschen rufen verzweifelt und vielleicht stumm nach Hilfe.
Oder man höre hinein in die Flammen des brennenden Grenfell­ Tower in London.
Wehe, die Stimmen würden laut und erreichten ungehindert unser Ohr!
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Aussagen der Reformatoren Oekolampad Basel | Zwingli Zürich | Haller Bern | Farel Lausanne und Luther | die Bannandrohung aus Rom | Mallarmé «Le Coup de Dès» | Freud «Warum Krieg» | Opfer eines Genozids aus Myanmar, | die Heiligen guren des «Himmlischen Hofs» im Chorgewölbe des Berner Münsters | Namen jüdischer, christ- licher und islamischer Mystiker und die Vornamen einer Schweizer Schulklasse wurden von Daniel Glaus im Kompositionsprozess zu- sammengeführt und vermischt zum Libretto der Raumsinfonie «STEINHIMMEL».
Der Kirchenraum als Instrument wird zum Resonanzraum, zum Echoraum, den alle Lauschenden, Singenden, Spielenden durch ihre Präsenz und ihre Hingabe zum Klingen bringen und gleichsam wie eine Arche Noah durch die Zeiten der Gegenwart steuern.
Tritt ein in die uralten Mauern!